Zu Besuch bei Susanna Niederer in Zürich, Schweiz: ROOT on the road virtuell

Susanna Niederer schreibt aus der Schweiz: Uns geht es gut! Ich war bis Ende Februar noch in Indien (Mysore, südlich von Bangalore) mit einem ganz tollen Projekt: Wir wohnten im Compound einer onkologischen Klinik, in einem separaten Gebäude mit einigen Zimmern. Im Innenhof hat sich jede/jeder einen Arbeitsplatz eingerichtet. Wir haben Bilder gemalt, selbst ich, die ich doch gar nie male. Aus Buchstaben der Karnataka Sprache habe ich kalligraphische Bilder kreiert. Sie wurden da ausgestellt, dann nach Bangalore transportiert zu einer offiziellen Eröffnung mit vielen ehrenwerten Gästen. Der gesamte Verkaufserlös geht an Patientinnen und Patienten, die Medikamente oder Klinikaufenthalt nicht bezahlen können. Toll nicht? Danach kam ich gerade noch so ohne Probleme nach hause zurück.Und bin wie alle isoliert. Anfangs war ich sehr paralysiert, konnte gar nichts mehr tun ausser heraus zu finden, wie sich die Dinge etwa organisieren lassen könnten. Der Schrecken und die Angst hockt uns halt im Nacken. Langsam habe ich mich beruhigt. 3 junge Leute kaufen für uns ein. Ich könnte mich daran gewöhnen! Im Atelier kann ich ungestört arbeiten und zu Hause auch, da ist eigentlich mein Arbeitsleben wie immer. Seit Ende Februar, als ich aus Indien zurück gekommen bin, habe ich alle Zeitungen aufbewahrt. Daraus erarbeite ich etwas Elliptisches, sozusagen als Dokumentation. Die ganzen Schreckensnachrichten in der Ellipse, in dem Nichts zusammen gefasst: In dem Nichts, aus dem wieder alles möglich ist. Mal schauen, wie dieses Ellipsoid aussehen wird! Als sehr unangenehm empfinde ich die Schwemme von Videos, die in der Welt herum geschickt werden. Und die Unmengen von digitalen Angeboten, die niemand nur ansatzweise bewältigen könnte. Wie lieb ist mir da immer wieder einfach ein gutes Buch!

Zu Besuch im Atelier von Andreas Amrhein in Berlin-Wilmersdorf: ROOT on the road virtuell

Andreas Amrhein beschreibt seine momentane Situation so: „Time is on my side“ ist der Titel einer für den Sommer geplanten Ausstellung in der Galerie C&K und gleichzeitig (hoffe ich) passt er ganz gut zur aktuellen Lage und meiner Situation. Ich komme trotz der Einschränkungen gut zurecht, bin täglich im Atelier und trotz einiger Durchhänger scheint es ganz gut zu laufen.Ich arbeite seit einigen Wochen (schon vor Corona) an einer Serie großformatiger Radierungen, deren Blätter ich in den 90er Jahren gedruckt habe.. Damals habe ich auf ein Meter breiten Kupfer- oder Zinkplatten Radierungen hergestellt und diese noch an der Hochschule in kleinen Auflagen gedruckt..Im vergangenen Jahr habe ich alles gesichtet, mich von einem Großteil getrennt, einige wenige Drucke aber bewusst behalten – mit der Absicht, jene Blätter nach und nach zu übermalen.Auf einigen entstehen Porzellanfiguren, auf anderen Gestalten, Formen und Zeichen aus meinem persönlichen Repertoire; viel Obst und Gemüse ist neuerdings auch dabei.Mich reizt der Kontrast der meist gestischen Schwarz-Weiß-Arbeiten von vor 25 Jahren, die den Hintergrund bilden, zu sehr durchgearbeiteten, realistischen Gegenständen (oder Figuren aus der klassischen Comic-Kultur), die darüber gelegt werden.Das Bild „Taming the Tiger“ ist noch nicht ganz fertig, aber „nah dran“…

Zu Besuch im Atelier von Cornelia Genschow in Bonn: ROOT on the road virtuell

Cornelia Genschow schreibt mir: In diesen Tagen pendele ich zwischen Land (Zuhause) und Stadt (Atelier+Galerierieräume), immer allein oder mit Vito (fast 4) und Caja (Junghündin). Abwechslung und Frischluft bekomme ich zur Genüge.
Freitags kommt Caja mit ins Atelier, so wie heute wenn ich zwischen 10 und 13 Uhr meinen Online-Unterricht gebe. Der Lehrauftrag für Zeichnung an der Alanus Hochschule für Kunst und Gesellschaft in Alfter bei Bonn geht so glücklicherweise weiter. Alle sind happy – Hochschule, Student*innen und natürlich ich.
Ansonsten bin ich immer noch dabei die Galerieräume vom Raum für Kunst und Natur neu zu organisieren, sprich zu renovieren. Da ich die Räume eigentlich ab April für kurze Ausstellungen vermieten wollte, und dies so bald wie möglich auch tun werde, will ich nächste Woche die bereits gelieferten Galerieschienen anbringen. Zunächst werden dann meine Arbeiten dort zu sehen sein, wenn auch nur durch die Schaufenster. Eine wahrlich fantastische Unterstützung ist die finanzielle Soforthilfe für Kleinunternehmer*innen der Bundesregierung bzw. des Landes NRW. Unkompliziert und schnell – so kann ich die Räume gut halten.
Künstlerisch arbeite ich gerade an einer Multiple-Auflage auf Papier, die ich anlässlich des Beethoven-Jahres entwickelt habe. Eine große Version gab es Anfang des Jahres in der Ausstellung „Mit Beethoven unter einem D-A-C-H“ im Künstlerforum Bonn zu sehen. Ich probiere gerade zwei Varianten, eine mit Pink-Neon und eine Gold-Version. Bin noch unschlüssig.
Insgesamt fühle ich mich immer wieder ambivalent der momentan Gesamtsituation gegenüber. Das ganze Umorganisieren von Familie, Arbeit, und Insgesamt kostet viel Kraft. Im Großen und Ganzen geht es mir aber gut. Ich bin gesund so wie alle in meinem Umfeld. Ich habe zu tun.

Zu Besuch im Atelier von Bettina Lüdicke in Berlin: ROOT in the road virtuell

Bettina Lüdicke schickt mir folgenden Bericht: In den ersten Tagen kam ich nicht hinterher die Nachrichten über die Pandemie und all die schrecklichen Eindrücke zu verarbeiten. Keiner von uns hat vorher so eine Erfahrung gemacht. Viel Energie zum arbeiten blieb mir erstmal nicht. Mein Plan war eigentlich, nach der art Karlsruhe im Atelier gründlich aufzuräumen und Platz zu schaffen. Einige neue Regale hatte ich schon, aber dann gab es mehr Bedarf und da waren die Baumärkte auch schon zu. Mein Atelier sah schrecklich aus und ich zog mich – mit Material – nachhause zurück. Zum Glück geht das bei mir, jedenfalls für kleine Formate. Es entstehen neue Wandarbeiten, u.a. schon VOR Corona mit der Idee „Space between“. Ich lasse einfach etwas kommen und arbeite so vor mich hin. Mittlerweile entspannter, abends hat man ja nichts vor! Was fertig ist, wird ins Atelier gebracht. Wenn das Wetter wärmer wird, werden alle noch patiniert. Das Offene Atelier in Pohl 11 für Anfang Mai wird nicht stattfinden, auch andere Planungen für Ausstellungen bleiben in der Schwebe hängen. Für die Disziplin tut es eigentlich immer gut, auf Ziele wie Ausstellungen hinzuarbeiten, aber zum Glück kann ich immer aus meinem eigenen Fundus schöpfen. So komme ich langsam wieder aus meiner Blockade heraus, die Nachrichten aus der Welt mit Corona versuche ich jetzt dosiert und gezielt aufzunehmen. Laufen tut mir gut, jeden Tag etwa 1 Stunde im Gleisdreieckspark und telefonische Kontakte mit Familie und Freunden sind häufiger.

Zu Besuch im Atelier von Hanne Karch auf La Palma: ROOT on the road virtuell

Hanne Karch ist noch am 11. März mit ihrem Mann nach La Palma geflogen, wo sie ein Haus besitzen. Durch einen Krankheitsfall in der Familie, einem Umzug der trotzdem stattfinden musste und der Geburt eines Enkelkindes inmitten dieser ganzen Ereignisse, war der Beginn des Jahres sehr stressig, auch damals noch ganz ohne Corona. Davon will sie sich nun auf La Palma erholen. Aus Angst vor Corona schottet sich die Familie in Deutschland nun weitgehend ab, und auch sie hat große Angst, dass durch die Krankheit geschwächt das Coronavirus leichtes Spiel haben oder das Baby auch noch krank werden könnte… Sie schreibt: „Am 15. März begann hier, da La Palma eine spanische Insel ist, das absolut strikte Ausgangsverbot, das von Polizei und Militär überwacht wird. Man darf sein Grundstück nicht verlassen, nur alleine im Auto zum Einkaufen im nächsten Ort mit Handschuhen und Mundschutz, dann …Warteschlange…. Ich lebe hier völlig ohne Kontakte von außen , immerhin auf einem großen Grundstück, außer Vogelgezwitscher und dem Rauschen des Windes ist nichts zu hören, keine Autos, kein Hupen des Fischverkäufers, nur die Farben der Natur, der Wolken und des Meeres. Die Orangen sind abgeerntet, jetzt kann man die Nisperos von den Bäumen pflücken und essen. Eigentlich wie im Paradies……………….wenn da diese Schatten nicht wären. Mein Atelier ist wie immer in der Garage, ich hatte auch ein großes Stück Leinwand durch 3 Kontrollen als Handgepäck im Flieger hierher gebracht, nur, dass mir dieses eine Stück Leinwand , jetzt, da ich den ganzen Tag Zeit zum Malen hätte, nicht reichen würde, daran dachte ich nicht. Ich habe nur noch ein schmales, langes Stück und kleine Reste, das konnte ja keiner ahnen. Schade !! Kleinformate und Zeichnen gehen immer. Es ist das erste Mal, dass ich ausgesprochen gerne male, da ich nicht abgelenkt bin und so die schlimmen Nachrichten vergessen kann. Ich habe ein Ticket für den ersten Flieger, der erst Ende April buchbar war, und bin gespannt, ob ich hier weg komme. Die Verbindungen nach Madrid sind alle unterbrochen. Ich hoffe, dass sich bald alles zum Guten wendet, wir haben es auch ein bisschen selbst in der Hand.“

Zu Besuch bei Johannes von Stumm in seinem Atelier in Oxfordshire,Großbritannien: ROOT on the road virtuell

Johannes von Stumm schreibt aus Großbritannien: „Die Welt ist fragil. Aber niederringen lassen wir uns nicht! Meine Ausstellung in Antwerpen ist abgesagt, meine Ausstellung in Illingen im Saarland am 10. Mai wird auch nicht stattfinden. Ende September stelle ich bei Gallery Different in London aus. Ob das klappt? Selbst wenn es funktioniert, dann bin ich mir nicht sicher ob die Menschen in Kauflaune sind. Ich hoffe aber sehr bei Dir in Berlin wie geplant auszustellen. Natürlich bin ich nicht böse wenn Du Dein gesamtes Programm verschieben willst. Bitte halte durch! Mal sehen wie sich die Dinge entwickeln. Uns geht’s hier gut. Wir haben freien Auslauf ohne einem Menschen zu begegnen, ich kann in die Werkstatt. Die Kinder sind gross und leben und arbeiten von zu Hause aus mit ihren Partnern in London. Nur mit meinen alten Schwiegereltern ist es schwierig. Sie werden immer eigenwilliger und wir dürfen nicht mehr ins Haus. Nur noch der Pfleger. Ich sitze auf der Terrasse, gucke durch’s Fenster und unterhalte mich mit ihnen über das Handy. Merkwürdig!“

Zu Besuch im Atelier von Ilka Schneider auf dem Land in Brandenburg: ROOT on the road virtuell

Ilka Schneider hat eine frohe Botschaft für mich: Sie ist für den artig Kunstpreis 2020 nominiert! Herzlichen Glückwunsch dafür! Leider wurde aber auch für diesen Kunstpreis in diesen Corona-Zeiten alles nach hinten verschoben. Zu ihrer Ateliersituation schreibt sie: Ich möchte mit einem weiteren 5,40 m langes Seidenbild anfangen, bin da aber erst bei den Vorarbeiten. Was da heißt: gründlich putzen, da die weiße Seide nichts verzeiht. Dann das Gestell auf dem ich male aufbauen, Vorrichtungen für verschiedene Stufen installieren und die Seide meterweise markieren. Das ist alles erledigt und jetzt kann es losgehen. Und das ist natürlich sehr aufregend, denn verbessern kann ich da schlicht nichts. Noch in Vorfreude auf Root on the road an den Attersee habe ich mich beim Zeichnen mit Klimt beschäftigt, versucht eine Annäherung zu finden, die mir entspricht, aus mir kommt, und doch auf Klimt verweist. Die Skizzen dienen als ganz freie Vorarbeiten für eine oder mehrere große Leinwände. Und ich stelle fest, da ist viel zu holen, und da geht noch einiges. Wie es mir mit der Situation geht: na ja, ich bin isoliertes Arbeiten gewohnt, da ändert sich für mich nicht viel. Aber die physische Distanz zu allen Freund*innen ist schon hart, insbesondere, da ich ja alleine lebe. Das heißt also: physische Distanzu zu allen. Null Nähe. Und das zehrt schon an mir. Aber es ist ja nicht für immer. Durchhalten ist angesagt.

Nix da ROOT am Attersee…

Vom 29. Juni- 5. Juli hatten wir unsere diesjährige ROOT in the road Malaktion unter freiem Himmel geplant. Wir wollten die ROOT-Künstlerin Ingeborg Rauss am Attersee in Österreich besuchen.das Foto zeigt unseren Standort in Schörfling direkt am See neben dem Gustav-Klimt-Museum. Gustav Klimt verbrachte von 1900-1906 die Sommer am Attersee, wo über 50 seiner Landschaftsgemälde entstanden sind. Wir wollten uns über 100 Jahre später mit seinen Spuren und Motiven auseinandersetzen. Gestern nun schrieb mir Ingeborg Rauss von den neusten Massnahmen der österreichischen Regierung, wonach die österreichischen Grenzen bis Ende Juni fix geschlossen sind. Veranstaltungen sind erst wieder frühestens ab Mitte Juli erlaubt. Kindergärten, Schulen und Unis starten erst im September. Ausgangsbeschränkungen werden erst nach und nach wieder gelockert. Für Ältere und Risikogruppen könnten sie bis in den Herbst hinein bestehen bleiben. Das war es dann mit unserer diesjährigen ROOT in the road-Aktion.

Zu Besuch im Atelier von Aruna Samivelu in Berlin: ROOT on the road virtuell

Aruna Samivelu fragt sich, wie es Künstlern in Zeiten von Corona bedingtem Social Distancing und von Ausgehbeschränkungen geht? Sie erreicht ihr Atelier nur mit der BVG und hat sich deshalb zum Schutz ihres sehr großen Kontaktkreises und zu ihrem eigenen Schutz für Selbstquarantäne entschieden. Sie macht also „Home-Office“. Um im Fluss zu bleiben, arbeitet sie intensiv mit ihren Skizzenbüchern und führt Tagebuch von Aktivitäten, Personen und Gegenständen, die sie täglich begleiten, in einem Visual Diary. Ihre Skizzenbücher werden voller und sie platzt mit Ideen und Konzepten, die sie hoffentlich bald umsetzen werden kann. Sie vermisst ihr Atelier sehr. Sie war heute nach der zweiwöchigen Quarantäne zum ersten Mal wieder in ihrem Atelier und hat dieses Foto aufgenommen.